Über meine Person – Roland P. Bayer
Ich bin ein Autor, der hinschaut, wenn andere wegschauen.
Das ist nicht metaphorisch gemeint. Das ist mein Handwerk.
In meinen Büchern beschäftige ich mich mit den Seiten des menschlichen Lebens, über die man lieber schweigt. Ich beschreibe Verachtung, die sich hinter alltäglichen Gesten verbirgt. Ich zeige, wie Eltern ihre Kinder innerlich zerstören können, obwohl sie körperlich anwesend sind. Wie Krankheit einen Menschen aufzehrt, während er noch lebt. Wie Liebe manchmal nicht ausreicht. Und wie ein ganzes Dorf zusieht und schweigt.
Das sind nicht immer die großen, spektakulären Dramen. Es ist das Gewöhnliche. Das alltägliche Scheitern. Und gerade darin liegt für mich eine besondere literarische Bedeutung.Meine Sprache soll nicht dekorativ sein. Sie soll präzise sein. Ich möchte, dass jedes Wort dort steht, wo es hingehört. Meine Formulierungen sollen nicht einer spezifischen Ästhetik entsprechen, sondern vielmehr dem Inhalt, den ich vermitteln möchte.

Wenn ich einen Mann beschreibe, der im Nachthemd liegt und Zebras auf einem Poster zählt, dann geht es mir nicht darum, zwanghaft ein Symbol zu erschaffen. Ich beschreibe einen Zustand: Flucht durch Wiederholung. Wirklichkeit durch Distanz. Für mich bedeutet Literatur, die Wirklichkeit so darzustellen, dass sie lesbar wird, ohne dabei ihre Härte zu verlieren.
Wo kommen meine Geschichten her?
Die Entstehung meiner Bücher basiert häufig auf einer simplen Beobachtung: Die gravierendsten Zerstörungen ereignen sich oftmals im Alltag. In Dörfern. In Familien. In Krankenzimmern. In der stillen Wiederholung von Verachtung, Einsamkeit und Scheitern, nicht unbedingt in spektakulären Momenten.
Mit jedem Buch versuche ich, genauer hinzusehen. Meine Sprache hat sich dabei verändert. Ich bin direkter geworden, verzichte zunehmend auf Umschweife und möchte schneller zum Kern einer Geschichte gelangen.
Der Roman „47 Zebras“ ist ein Ergebnis dieser Entwicklung. Ein Roman über Verachtung und unmögliche Liebe. Ein Mann mit Krebs. Eine Mutter, die ihn dafür hasst. Eine Frau, die neben ihm innerlich stirbt, während er noch lebt.
Ein Dorf, das zusieht.
Ich möchte dabei keinen Kitsch erzeugen und kein künstliches Pathos aufbauen. Mich interessiert, was mit Menschen geschieht, wenn mehrere tragende Säulen ihres Lebens gleichzeitig zusammenbrechen.
In „Das Schweigen des Dorfes“ beschäftige ich mich mit den unsichtbaren Regeln einer Dorfgemeinschaft.
Ein Sarg wird durch das Dorf gezogen. Niemand spricht. Doch gerade dieses Schweigen erzählt seine eigene Geschichte. Jede Geste, jedes Ausweichen und jede kleine Bewegung lässt etwas von den Regeln erkennen, die niemals ausgesprochen wurden.
Solche Strukturen interessieren mich besonders. Ich kenne das Leben auf dem Land und weiß, dass zwischen dem, was Menschen sagen, und dem, was sie tatsächlich denken, ganze Welten liegen können.
Für mich ist das kein bloßes Lokalkolorit. Es ist ein Teil menschlicher Wirklichkeit. In „Ich war nie genug“ beschäftige ich mich mit menschlichen Widersprüchen und Verletzungen. Dabei möchte ich möglichst wenig urteilen. Ich möchte nicht vorschreiben, was der Leser zu empfinden hat. Ich möchte zeigen, was geschehen ist, und ihm Raum für seine eigenen Gedanken lassen.
Der Stille Begleiter und Hänschen klein greifen weitere Themen auf, denen man im Alltag gerne ausweicht: Tod, Altern und die Grenzen menschlicher Möglichkeiten. Ich empfinde solche Geschichten nicht grundsätzlich als düster. Für mich gehört es zum Schreiben, auch dort hinzusehen, wo es unbequem wird.
Nicht auf ein Genre festgelegt
Neben meinen realistischen Romanen schreibe ich auch Science-Fiction, Dystopien und Fantasy.
Ich möchte mich nicht auf ein einziges Genre beschränken. Unterschiedliche Geschichten verlangen unterschiedliche Formen des Erzählens. Trotzdem bleibt der Realismus ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Die genaue Beobachtung des scheinbar Gewöhnlichen ist für mich unverzichtbar.
Ich schreibe nicht, um schnelle Zufriedenheit zu erzeugen. Ich schreibe auch nicht mit dem Anspruch, durch meine Bücher jemanden zu heilen. Ich schreibe, weil manche Wahrheiten eine Form benötigen, um greifbar zu werden. Weil manche Dinge ausgesprochen werden müssen, auch wenn sie dadurch nicht besser werden.
Das verlangt vom Leser Aufmerksamkeit. Nicht nur im Sinne von Spannung, sondern im Sinne eines bewussten Lesens. Ich bevorzuge Sätze, die mit möglichst wenigen Worten viel ausdrücken. Oft ist das, was zwischen den Zeilen steht, wichtiger als das, was ausdrücklich gesagt wird.
Für mich gehört genau das zum Handwerk des Schreibens. Meine Bücher sind nicht für jeden Geschmack geschrieben. Sie richten sich auch an Leser, die in Literatur mehr suchen als reine Unterhaltung. Die bereit sind, sich mit unbequemen Fragen auseinanderzusetzen. Für einen bestimmten Leserkreis macht mich das unverzichtbar. Und das ist genug.
Wie schreibe ich?
Eine Besonderheit meiner Arbeit ist, dass ich mich nicht grundsätzlich auf ein einziges Buchprojekt beschränke. In der Regel beschäftige ich mich gleichzeitig mit mehreren Büchern.
Für manchen mag das ungewöhnlich erscheinen. Für mich ist es ein Teil meiner Arbeitsweise. Verschiedene Erzählungen fesseln mich gleichzeitig, wobei jede auf ihre eigene Art und Weise meine Aufmerksamkeit erfordert. Wenn eine Geschichte in meinem Kopf entsteht, möchte ich sie nicht einfach auf einige Stichpunkte reduzieren. Ich möchte sie erzählen. Vom Anfang bis zum Ende. Denn die eigentliche Geschichte entwickelt sich für mich während des Schreibens. Diese Arbeitsweise hat gelegentlich auch zur Folge, dass mehrere meiner Bücher innerhalb von ein paar Monaten veröffentlicht werden. Zwei Veröffentlichungen innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten implizieren jedoch nicht, dass beide Bücher lediglich in diesem kurzen Zeitraum entstanden sind. Hinter jedem vollendeten Werk liegt ein individueller Entstehungsprozess.
Mich interessiert beim Schreiben nicht, wie viele Bücher am Ende eines Jahres zusammenkommen. Für mich ist von entscheidender Bedeutung, dass jede Geschichte die Form annimmt, die ihr angemessen ist.
Und solange mich unterschiedliche Geschichten beschäftigen, werde ich mich nicht künstlich auf eine einzige beschränken.
Meine Bücher und die Menschen, die sie lesen.
Ich bin in der Oberpfalz ansässig und publiziere meine Werke eigenständig im Rahmen des Self-Publishing. Damit liegt nicht nur das Schreiben in meiner Verantwortung. Auch die Veröffentlichung und viele Aufgaben, die bei einem Verlag von anderen übernommen werden, gehören zu meinem Alltag. Der unmittelbare Kontakt zu meinen Lesern hat für mich von besonderer Bedeutung. Deswegen bin ich ebenfalls auf regionalen Märkten und Veranstaltungen präsent. Dort entwickeln sich Gespräche, die über den gewöhnlichen Verkauf von Büchern hinausgehen. Ich erhalte Einblicke in die Geschichten, die Menschen berühren, in die Fragen, die sie beschäftigen, sowie in das, was von einem Buch bleibt, nachdem die letzte Seite bereits umgeschlagen wurde.
Im Rahmen meiner Initiative „Oberpfalz liest selbst“ beabsichtige ich zudem, anderen Selfpublishern die Gelegenheit zu bieten, ihre Werke einem erweiterten Publikum zu präsentieren und direkt mit Lesern in den Dialog zu treten. Denn hinter jedem Buch steht eine Person, die Zeit, Gedanken und einen Teil ihrer eigenen Welt in die Erzählung investiert hat. Ich bin der Auffassung, dass diese Geschichten eine Entdeckung wert sind.
Presse, Interviews und Autorengespräche
Neben meinen Büchern diskutiere ich auch gerne die Entstehung meiner Geschichten, meine Arbeitsweise, das unabhängige Veröffentlichen sowie meine Erfahrungen als Selfpublisher.
Ebenfalls die regionale Literaturszene sowie meine Initiative „Oberpfalz liest selbst“ stellen ein interessantes Thema für Diskussionen dar. Für redaktionelle Anfragen, Interviews, Podcasts sowie Gespräche im Bereich Literatur und Schreiben stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Die Kontaktmöglichkeiten sind auf meiner Homepage aufgeführt.