Hänschen klein

Jonathan Brandner hat ein Leben lang gewusst, was etwas wert ist: ein Unternehmen, ein Vertrag, ein Wald. Als erfolgreicher Holzunternehmer ist er es gewohnt, Entscheidungen zu treffen und die Zukunft zu planen. Doch dann eröffnet ihm sein Arzt, dass ihm womöglich nur noch wenige Monate bleiben. Plötzlich steht eine Frage im Raum, auf die weder sein Vermögen noch seine Erfahrung eine Antwort geben: Was möchte er mit der Zeit anfangen, die ihm noch gehört?

Jonathan verlässt München und zieht in eine einfache Hütte am Heindlweiher im Hessenreuther Wald. Ohne Strom und fließendes Wasser muss er vieles neu lernen. Holz wärmt erst, wenn man es gespalten hat. Wasser muss getragen werden. Und ein stiller Abend lässt sich mit keinem Geschäftstermin füllen. 

Zwischen dem Wechsel der Jahreszeiten, den Begegnungen mit Tieren und den Erinnerungen an seine verstorbene Frau Brunhilde beginnt er, sein bisheriges Leben mit anderen Augen zu betrachten. Eine schlichte Blockflöte begleitet ihn dabei. Auf ihr versucht er sich an einem Lied, das er seit seiner Kindheit kennt: „Hänschen klein“.

Während Jonathan im Wald einen eigenen Rhythmus findet, verfolgen sein Sohn und seine Schwiegertochter ihre Vorstellungen von der Zukunft des Familienunternehmens. Sein Rückzug wird zum Anlass, seine Entscheidungen infrage zu stellen. Zugleich wächst zwischen ihm und seinem Enkel Roland eine Nähe, für die früher wenig Raum geblieben ist. Damit steht bald weit mehr auf dem Spiel als die Frage, wer künftig einen Konzern führt.

Roland P. Bayer verbindet in diesem Roman die sinnliche Ruhe der Oberpfälzer Waldlandschaft mit einem Familienkonflikt um Macht, Vertrauen und Selbstbestimmung. Die Natur erhält ebenso viel Aufmerksamkeit wie die Menschen: das Wasser einer Quelle, ein scheues Tier, die Arbeit der Hände und die wenigen Töne einer zunächst unbeholfenen Melodie.

„Hänschen klein“ erzählt vom Abschiednehmen, vom Wiederentdecken und von der Freiheit, den eigenen Maßstab zu verändern. Im Mittelpunkt steht ein Mann, der angesichts seiner begrenzten Zeit herausfinden muss, was ihn überhaupt noch am Leben teilhaben lässt – und wofür es sich lohnt, Verantwortung zu übernehmen.

©2026 Roland P. Bayer · Alle Rechte vorbehalten.

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